Wasserstrukturgutachten für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Loffenau
Wasserstrukturgutachten für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Loffenau
Die Gemeinde Loffenau hat ein umfassendes Strukturgutachten zur Wasserversorgung erstellen lassen. Ziel der Untersuchung war es, die vorhandene Infrastruktur zu analysieren, ihre Leistungsfähigkeit zu bewerten und Maßnahmen für eine nachhaltige Zukunft zu identifizieren. Die Untersuchung erfolgte vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen, steigender Anforderungen an die Wasserversorgung, hoher Wasserverluste und einer langfristigen Sicherstellung der Trinkwasserqualität. Untersucht wurde die gesamte Wasserversorgung, von den Quellen bis hin zum Leitungsnetz.
Hintergrund und Motivation
Die Wasserversorgung in Loffenau beruht auf einer Kombination aus Eigenwasser (vor allem aus der Kaltenbrunnenquelle) und Fremdwasserbezug von der Stadt Gernsbach (Axtloh- und Vogelswiesenquelle). Allerdings bestehen bei der Eigenwasserquelle keine festgelegten Entnahmerechte. Es wurde festgestellt, dass die Wasserverluste im Leitungsnetz mit durchschnittlich 34 % deutlich zu hoch sind. Neben der Versorgungssicherheit waren auch Sanierungsbedarf, Speicherbilanzen der Hochbehälter sowie Netzstrukturen wichtige Untersuchungsbereiche.
Zentrale Ergebnisse des Gutachtens
- Wasserqualität: Die Untersuchungen zeigen, dass die Trinkwasserqualität den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht. Die Wasserqualität ist nach wie vor gut!
- Wasserbilanz: Die Analyse ergab, dass die Quellschüttung der eigenen Kaltenbrunnenquelle und das Fremdwasserbezugsrecht für die Axtloh- und Vogelswiesenquellen ausreichen, um den durchschnittlichen Wasserbedarf zu decken. Allerdings reichen sie nicht für den Spitzenbedarf, insbesondere in den Sommermonaten. Die Kaltenbrunnenquelle schüttet sehr volatil, bei anhaltender Trockenheit nimmt die Schüttung schnell und stark ab.
- Speicherraumbilanz: Die vorhandenen Hochbehälter bieten zwar ausreichend Speicherkapazitäten, doch bei einem Ausfall der zentralen Anlagen besteht Unsicherheit über die Versorgungssicherheit. Besonders kritisch wäre ein Ausfall des Hochbehälters II „Erdbrüchle“, da durch diesen Behälter sowohl der Hochbehälter I „Bockstein“ als auch der Hochbehälter III „Löchle“ gespeist werden.
- Netzzustand und Wasserverluste: Das Netz weist hohe Verluste auf, was durch Alterung und Undichtigkeiten bedingt ist. Besonders in Bereichen mit älteren Rohrleitungen besteht Sanierungsbedarf.
- Ausfallszenarien: Verschiedene Simulationen zeigen, dass die bestehende Infrastruktur auf mehrere Ausfallszenarien unzureichend vorbereitet ist. Ein Ausfall von Schlüsselkomponenten wie der Kaltenbrunnenquelle oder wichtigen Transportleitungen könnte erhebliche Versorgungsprobleme verursachen.
Empfohlene Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung
Die Experten schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor, die sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Effizienz der Wasserversorgung verbessern sollen:
- Reduzierung der Wasserverluste im Leitungsnetz: Dies soll durch gezielte Reparaturen und den Einsatz moderner Überwachungssysteme erfolgen. Eine Sanierungsrate des Leitungsnetzes von mindestens 1 % pro Jahr, eher mehr, wird empfohlen.
- Sanierung und Modernisierung der Wasserspeicher: Besonders der Hochbehälter Bockstein muss umfassend saniert werden, um langfristig die Speicherkapazität zu optimieren. Allerding entstehen hierfür hohe Kosten, für die die Gemeinde keine Fördermittel erhalten kann.
- Verbesserung der Notfallversorgung: Mobile Druckregulierungen und alternative Einspeisemöglichkeiten sollen bei kritischen Ausfällen die Wasserversorgung sicherstellen.
- Neustrukturierung der Wasserversorgung: Eine zentrale Maßnahme ist der mögliche Bau eines neuen Hochbehälters „Ostend“ mit einer Wasseraufbereitungsanlage. Dies würde die gesamte Versorgungssicherheit deutlich verbessern und alte Behälter ersetzen.
- Optimierung der Versorgungsstruktur: Durch die Schaffung neuer Zonentrennungen, die Verbesserung der hydraulischen Bedingungen und die Erhöhung der Redundanzen sollen die Druckverhältnisse stabilisiert und Stagnationsbereiche reduziert werden.
- Bessere Nutzung von Eigenwasser: Eine hydrogeologische Untersuchung der Kaltenbrunnenquelle soll die Möglichkeiten für eine langfristig sichere Eigenwassernutzung klären.
Finanzierung und Investitionskosten
Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert erhebliche Investitionen.
Insgesamt wird ein Sanierungsbedarf von 1,78 Millionen Euro für die Ertüchtigung der Bestandsanlagen veranschlagt. Für reine Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen ohne strukturelle Verbesserung kann die Gemeinde keine Fördermittel vom Land erhalten. Diese Kosten müssten dann über die jährliche Abschreibung in das Wasserentgelt eingepreist, am Ende also von allen Bürgerinnen und Bürgern über den Wasserpreis bezahlt werden.
Eine andere Variante ist der Bau einer neuen Wasseraufbereitung mit neuem Hochbehälter, der ein höheres Speichervolumen (1.100 m³) als bisher (900 m³) aufweist. Alle drei bisherigen Anlagen könnten dann stillgelegt werden und künftig entfallen. Diese Variante verursacht auch hohe Investitionskosten, hier kann die Gemeinde jedoch auf eine relativ hohe Förderquote von über 70% durch das Förderprogramm des Landes hoffen. Durch diese Förderung stellt der Neubau und die Stilllegung der bisherigen Anlagen die wirtschaftlichere und vor allem zukunftsträchtigere Variante dar. Der Gemeinderat hat deshalb die Verwaltung in seiner Sitzung vom 8.5.25 beauftragt, diese Variante weiter voranzutreiben und die erforderlichen Schritte einzuleiten.
Fazit und Ausblick
Das Strukturgutachten bietet eine solide Grundlage für zukünftige Entscheidungen in der Wasserversorgung von Loffenau. Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen darauf ab, eine nachhaltige, sichere und effiziente Versorgung zu gewährleisten. Der Gemeinderat wird in den kommenden Monaten die nächsten Schritte festlegen und Beschlüsse fassen, um die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen voranzutreiben. Das gesamte Wasserstrukturgutachten kann im Ratsinformationssystem der Gemeinde unter https://loffenau.ris.kommune-aktiv.de/seite/de/rathaus/025/-/Sitzungsvorbereitung.html, Sitzung vom 8.5.2025, abgerufen werden.







